Schneewittchen
- Acryl auf Leinwand, mit Holzrahmen
- 100 x 50 cm
- 690 €
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Das Werk ist ein querformatiges, gerahmtes Gemälde in einem schwarzen Rahmen, das stark texturiert und mit dickem, reliefartigem Farbauftrag (Pastose Malerei/Strukturpaste) gearbeitet ist. Die Oberfläche wirkt uneben, fast skulptural – Farbe scheint aufgetragen, geschichtet und teils wieder abgekratzt oder verdrängt worden zu sein.
Komposition und Farbverteilung:
Die linke Bildhälfte dominiert von warmen, kräftigen Farben: leuchtendes Gelb oben links, ein intensives Orange-Rot im Zentrum, das in tiefes Schwarz mit goldenen Streifen übergeht. Diese schwarze Form in der Bildmitte hat eine markante, fast organische Zackenstruktur – sie erinnert an einen aufgerissenen Umriss oder eine Silhouette.
Die rechte Bildhälfte ist deutlich kühler gehalten: Violett-, Blau- und Silbertöne dominieren, mit strukturierten, wolkig-reliefartigen Formationen, die an Fels, Rauch oder aufgewühltes Gewebe erinnern.
Am unteren Bildrand zieht sich eine dunkle, zerklüftete Form nach links unten, fast wie ein Schatten oder eine fließende Gestalt.
Vereinzelt blitzen goldene und silberne Glitzerpartikel in der Struktur auf, die dem Bild eine changierende, fast kristalline Qualität verleihen.
Interpretation
Der Titel „Schneewittchen" öffnet mehrere Lesarten:
1. Farbsymbolik als Märchen-Referenz: Man könnte die kühlen, weiß-blau-violetten Passagen rechts als Anspielung auf die namensgebende „Schnee"-Weißheit lesen – Kälte, Reinheit, Winter. Die warme, feurige linke Seite mit dem intensiven Rot-Orange könnte dagegen für den berühmten Kontrast aus dem Märchen stehen: die drei Farben „weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz" – genau diese Trias findet sich im Bild wieder.
2. Die schwarze Zackenform in der Bildmitte ließe sich als abstrahierte Referenz auf den vergifteten Apfel, die böse Königin oder auch auf den Sarg lesen – ein dunkles, bedrohliches Element inmitten der Farbenpracht, das die Ambivalenz des Märchens (Schönheit und Gefahr) spiegelt.
3. Abstraktion statt Illustration: Anders als eine klassische Märchenillustration verzichtet die Künstlerin/der Künstler vollständig auf figurative Elemente. Stattdessen wird die emotionale und atmosphärische Substanz der Geschichte – der Kontrast zwischen Bedrohung und Unschuld, Wärme und Kälte, Leben und Erstarrung – rein durch Farbe, Textur und Materialität übersetzt.
4. Materialität als Aussage: Die reliefartige, fast geologische Oberflächenstruktur erzeugt eine haptische, fast archäologische Anmutung – als wäre die Geschichte in Schichten „ausgegraben" oder als Sediment sichtbar gemacht worden, ähnlich wie sich Märchen über Generationen in Erzählschichten ablagern.
Insgesamt liest sich das Bild als freie, gestisch-abstrakte Übersetzung des Märchenstoffs in Farbe, Licht und Materialität, statt als narrative Darstellung – ein sehr zeitgenössischer Zugang zu einem traditionellen Stoff.
